Diffizil (T.vs.F. 8)

Diffizil ist ein interessantes Wort. Ich glaube, ich habe diesen Begriff bisher entweder noch nie zuvor in einem jener Blogs gelesen, die ich zu lesen pflege (was ungefähr nicht viele sind), oder ich habe ihn einfach übersehen. Aber im Grunde isses ja auch egal, zumindest für das, worauf ich hinaus möchte.
Dieses Techno ist jedenfalls auch irgendwie diffizil, dazu habe ich ja z.B. hier ein paar Worte verloren. Jene Beobachtungen sind zwar nun zugegebenermaßen etwas her, aber bekanntlich hinkt die Entwicklung in der ehemaligen SBZ den hiesigen Verhältnissen etwas hinterher, insofern könnte der Beitrag für bestimmte ostzonale Gebiete noch durchaus relevant sein.

Andererseits vermag auch der Osten manchmal nicht das zu halten, was er verspricht: durch Zufall gerieten vor einiger Zeit zahlreiche Menschen in mein Blickfeld, die sich von ihren Melkschemeln erhoben und auf den Weg zur Airbeat One nach Neustadt-Glewe gemacht hatten.
Einen angeregten und (m)einseitigen Argumenteaustausch erwartend, machte sich stattdessen ein Gefühl zwischen Verwunderung, Enttäuschung und arroganter Belustigung bemerkbar. Where have all the Nazis gone?
Ein Pärchen dieser Spezies war dann einige Zeit später bei einer Grünanlage in Hamburg (sprich: Goldener Westen) auszumachen, allerdings in einer für das Pärchen etwas unvorteilhaften Situation (blöde Idee: unter dem Einfluss von schlechten Drogen gegenüber kritischen Menschen die guten Seiten des Nationalsozialismus erläutern zu wollen).

Und der Sinn von diesen Zeilen? Es gibt vermutlich noch tausend andere Anekdoten über unpassende Personen zur falschen Zeit am falschen Ort. Als Momentaufnahme vielleicht ganz witzig und an bestimmten Orten für Nazis dann verbunden mit einer Nominierung für den nächsten Darwin-Award, aber letztendlich eigentlich auch wieder irgendwie lästig. Deswegen: immer gut aussehen, präventiv agieren, und vorab ’ne Ansage machen.
Wie z.B. PunktPunkt:
PunktPunkt für „Nazis wegbassen“(Tracks by Kaiserdisco, Sebastien Léger, Joey Beltram, Sheff, Fergie, Boris Brejcha, Carbon, Angy Kore) by PunktPunkt
Ach ja, sofern es sowas gibt (vielleicht ist PunktPunkt ja auch ein Trendsetter): das Set ist ein Mobilisierungs-Set gegen den Nazi-Aufmarsch am 19.02.2011 in Dresden – schönes Ding!
Mehr dazu unter Nazis wegbassen!

Also, irgendwie… (Tvs.F 7)

Irgendwie ist das Phänomen ‚Bloggen‘ eine ganz schön langweilige Sache, jedenfalls für Menschen wie mich. Tagebuch habe ich nie geschrieben, und echte Logbücher mögen zwar ihre Berechtigung auf Seeschiffen oder Sternzerstören haben, aber nicht unbedingt beim Surfen (egal ob nun vor St. Peter-Ording oder durch das www).

Eben gerade stellte sich mir die Frage, ob ich nicht diesen Blog einfach löschen sollte. Wirklich spannende Beiträge wurden hier eh nicht veröffentlicht, und vermutlich wird sich dieser Umstand auch nicht ändern. „Techno vs. Faschismus“ war beispielsweise eine aus purer Langeweile entstandene Rubrik-Idee: in den frühen Neunzehnhundertneunzigern schien Techno eine merkwürdige Anziehungskraft gehabt zu haben. Neben der verstrahlten „Friede – Freude – Eierkuchen“-Fraktion, die im nachhinein ihre Verstrahltheit als irgendwie progressive politische Aussage verstanden sehen möchten, begeisterten sich bereits kurz darauf auch diverse Halb- und Vollnazis für diese neuartige Musik. Zumindest dort, wo ich es mitverfolgen konnte:

Anfang jener 90er traf ich zufällig während einer Bahnfahrt nach Hamburg auf eine Reisegruppe, die sich augenscheinlich auf dem Weg zu einem Techno-Event befand. Damals auch für mich erstmal eher unspannend, doch dämmerte mir kurz darauf, dass mir einige Personen durchaus bekannt vorkämen. Und tatsächlich: im Pulk der ‚Raver‘ erkannte ich vier oder fünf Gesichter, die noch kurze Zeit zuvor der regionalen top-level Nazi-Skinheadszene zuzuordnen waren, und nun offensichtlich ‚unterwegs‘ waren. Aufgrund der damals via Presse verbreiteten Warnungen vor Ecstacykonsum-bedingten Todesfällen in der Technoszene konnte ich mir einen hoffnungsvollen „Schnellen Tod euch allen!“-Gedanken nicht verkneifen und ging entspannt in den nächsten Waggon.
1994 führte mich der Zufall zur Loveparade nach Berlin. Nachdem mir bereits innerhalb der ersten zehn Minuten zehn bis fünfzehn, teilweise mit ‚Reichskriegsflagge‘ dekorierte Klischee-Nazis als Teil der feierwütigen Massen über den Weg liefen, an denen sich niemand zu stören schien, hielt sich mein Mitleid in engen Grenzen, nachdem ich erfuhr, dass kurz darauf ein paar Dutzend schwer betrunkene und nicht- bzw. explizit antirassistische Skinheads einen Ausflug vom zeitgleich stattfindenden Potsdamer Skafestival zur Loveparade unternommen haben. Nach einer nonverbalen, energisch überreichten Protestnote an die Loveparade wurden jene Skinheads, unter Absingen der Internationalen und ähnlich revolutionären Liedern, kurzerhand von der Polizei in eine S-Bahn zurück nach Potsdam gesetzt.

Techno hatte dementsprechend durch Erlebnisse wie diese einen etwas befremdlichen Beigeschmack für mich. Ändern sollte sich dies erst durch einen späteren und zufälligen Besuch der Roten Flora, in der an jenem Abend eine schwul/lesbische(/all gender – wobei letzterer Begriff damals noch nicht wirklich gebräuchlich war) House-Party stattfand. Irgendwie befremdlich dabei waren im Grunde nur die äusserst spärlich bekleideten Tänzer_innen auf den Baugerüsten, das wiederum ist allerdings eine ganz andere Geschichte…

Aber zurück zum Thema – Langeweile, Rubrik „Techno vs. Faschismus“, Blog löschen: nö, jetzt doch noch nicht. Vielleicht demnächst irgendwann. Stattdessen der Hard Trance-lastige Remix eines älteren russischen Liebesliedes:


Along with greetings from Katyusha“ ist übrigens jene Zeile, welcher der hierzulande als ‚Stalinorgel‘ bekannte sowjetische Raketenwerfer seinen umgangssprachlichen Namen verdankt – Katyusha bzw. Katjusha. In diesem Sinne: „Schwarz war die Nacht, weiß war der Schnee – von allen Seiten die Rote Armee!“

Trümmerling – ist mein Lieblingsalkoholgetränk…

Truemmerling

Verdammte Axt. Ein Mythos über die alliierten Bomberbesatzungen des zweiten Weltkriegs besagt, dass Lucky Strike deren bevorzugte Zigarettenmarke gewesen wäre, was durchaus eines subtilen Wortwitzes nicht entbehrt (und ohne mir dessen bewusst zu sein, wurde übrigens eben jene Marke meine Tabakeinstiegsdroge; Stichworte: Rostock 1992, Antifa-Demo, Bad Doberan, Nordkonvoi, Kessel, Hubschrauber, SEK, H&K MP5).
Wenn jetzt der Betrug nicht zu offensichtlich wäre, könnte jener Mythos durchaus weitergesponnen werden: neben den Fluppen mit dem treffsicheren Namen befand sich an Bord eines jeden alliierten Bombers natürlich auch das zugehörige Zielwasser – Trümmerling! Immer griffbereits links neben dem Hebel zum Bombenabwurf. Dabei: Gotcha! Mazel tov! Und nach erfolgreicher Rückkehr: Stösschen! L‘chaim!

Stimmt natürlich alles überhaupt nicht, ist aber auch egal. Vielleicht springt ja dennoch der eine oder andere Altermedia/Thiazi/die Bandbreite-Nazi auf diese Theorie an („Skandal: Allierte Bomber waren gedopt, Reichsflugscheibenpiloten flogen nur mit zugelassenen Amphetaminen!“). Falls dem irgendwann so sein sollte: die Theorieurheberrechte liegen einzig und allein bei mir. Diesbezügliche Nachfragen bitte an LongMoustache@vanHelsing-Elsaesser.specht

And now for something completely different, beziehungsweise zurück zum Thema. Das ‚Unsichtbare Kornimtee‘ linksinterveniert nun auch in die Mobilisierung gegen das alljährliche Rumgeopfere von Nazis und anderen BürgerInnen in Dresden. Fraglos: Super Sache. Nur eine Frage: dient Trümmerling der Stärkung anwendbarer antifaschistischer Physik („Trümmerling – damit sie morgen noch kraftvoll zuschlagen können!“) , oder doch eher der Schwächung des Gegners („Was äst das för eine Sobstanz? “ – „Trümmerling, mein Führer! Nicht ganz so gut wie reines Crack, aber billiger!“ – „Trömmerling… Klingt änteressant…“).

Zur Beantwortung dieser Fragestellung bitte ab Mitte Februar 2011 hier entlang (und vorher bitte den Tor-Button betätigen).

Techno vs. Faschismus Pt. 6

Die Begrifflichkeiten Hardcore, Gabber und Happy Hardcore, gepaart mit dem Herkunftsland Niederlande, dem Namen Bandnamen Party Animals sowie diversen niederländische Chart-Spitzenplatzierungen weckten bei mir sofort Assoziationen wie ‚die dezent mit Metamphetaminen überdosierten Charlie Lownoise & Mental Theo treffen auf die Hermes House Band‘. Insofern also schon ein hervorragender Grund, diesem Projekt besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Und dann ist da ja immerhin noch die zweite Maxi-Single, 1996 auf Mokum Records erschienen – Mokum bezieht sich auf das jiddische Wort für Stadt bzw. Städtchen, beziehungsweise im niederländischen Sprachgebrauch in erster Linie auf Amsterdam. Mokum Records wiederum ist eine dezente Anspielung auf Rotterdam Records, welches beispielsweise durch Neophyte (korrekt: das sind die, von denen Scooter Always Hardcore gecovert haben) bekannt geworden ist. Darüberhinaus steht Gabber aus Rotterdam nun auch nicht gerade für besonders emanzipatorische Denkansätze, sondern doch vielmehr für eine stilbildende musikalische Ikone des heute auch in D‘land zu beobachtenden, politisch-motivierten Kraken-Phänomens.

Also Gabber/Happy Hardcore aus Mokum aka Amsterdam. Das Cover jener erwähnten zweiten Maxi-Single, welche mit Hava Naquila betitelt wurde, gibt übrigens ebenfalls einen kleinen Hinweis auf – auf was eigentlich?…:

Letztendlich isses ja auch egal, und um mal auf den Punkt zu kommen: das folgende Stück ist jedenfalls auch darauf enthalten. Und jetzt alle – hoch die Hacken!!!