Archiv für April 2010

„Ihr Nachbar, ein Jockel?“

Tja, was denn eigentlich? Worum geht’s?

In Stichworten: brennende Autos, SOKO Feuerteufel, einen Nazi und Versicherungsbetrug. In bildlicher Darstellung – um den hier:

Seit einiger Zeit erleuchten vermehrt brennende Autos das nächtliche Hamburg. Zwischen klammheimliche Schadenfreude (DHL, Zoll, Jung von Matt, Kai Diekmann) und „Ach…“ (diverse Oberklassefahrzeuge) mischt sich bei der einen oder dem anderen hin und wieder auch ein „Geht’s noch?“, wenn beispielsweise der Funke überspringt – und zwar dorthin, wo er nichts verloren hat.

Zur obigen Person fällt mir persönlich allerdings spontan ein anderer Begriff ein: Jockel! Mario L. (40), so seine anonymisierte Beschreibung in der hiesigen Tagespresse, ist einer dieser gemeingefährlichen Brandstifter. Behauptet zumindest die Staatsanwaltschaft Hamburg, laut MoPo. Nebenbei, außerdem, oder was auch immer, Nazi. Behauptet zumindest die Antifa Hamburg: „Ihr Nachbar, ein Nazi?“ – von der ich mir übrigens auch das Bild ausgeliehen habe.

Auch wenn der Angeklagte nun eine Entlastungsrentnerin ins Feld führen konnte und sowieso statt sein Auto abzufackeln sonntagmorgens in einer Harburger Kneipe dahinvegetiert sein will, darf er für die bereits erwähnte MoPo auch noch als Vorzeigejockel einer der sechs Tätergruppen herhalten, die jetzt im Fokus einer 100-köpfigen Sonderkommission der Polizei steht. Vielleicht schafft diese es, den bereits auch innerhalb seiner Kameradenkreise geäusserten Verdacht des Versicherungsbetruges auszuräumen – ebenso wie die Vermutung, seinen Namen auf einer VS-Gehaltsabrechnung zu finden. Sorry, keinen Link dazu, ihr wisst schon: Quellenschutz und so…

Und in Hamburg?

Nach dem Beitrag aus Liège frage ich mich ja schon, wie eigentlich anderswo die gegenseitige Affinität von Hip-Hop und progressiver Gesellschaftskritik aussieht. Wie isses denn so, hier und da? Und in Hamburg?

Hamburg zeigt wunderbar anschaulich, wie es eher nicht aussehen sollte:

Vielleicht habe ich ja auch bloß die Zeichen der Zeit nicht erkannt und es ist mittlerweile der letzte Schrei in Antifa-Kreisen mit einem Baseballschläger spazieren zu gehen, und überhaupt fühlt sich das wie auch immer ausgestaltete revolutionäre Subjekt durch schlecht produzierten Rap mit holprigen lyrics und einem adäquaten Video (inkl. vermummten Schunkel-Ballet im Hintergrund) dazu ermuntert, am 1. Mai 2010 unter anderem zusammen mit der SoL und einigen ihrer Tarn- bzw. Vorfeldorganisationen das Schweinesystem zu stürzen.

Aber irgendwie wirken die musikalisch verpackten Milieustudien aus und über Hamburg von Nathan 57 auf mich um einiges authentischer:

Und übrigens sieht ein Baseballschläger nur beim Bear Jew auch wirklich lässig aus:

Liège Antifa goes Hip Hop

Och nö, dieser ganze Fußballzirkus interessiert mich inzwischen nur noch am Rande.

Natürlich gehört der regelmäßige Blick auf die Tabelle der 2. Liga zu meinen doch irgendwie einigermaßen automatisierten Handlungen, und ein Aufstieg des FC St. Pauli fände ich schon ganz erfreulich (und, dies sei nicht verschwiegen, der Abstieg von Hansa Rostock ebenso, auch wenn es lediglich einer subjektiven und vielleicht sogar verbohrten Empfindung geschuldet ist). In der 1. Liga wird dagegen aus verschiedenen Gründen dem SV Werder Bremen die Daumen gedrückt. Eine wie auch immer beschaffene emanzipatorische Legitimation vermag ich allerdings dafür nicht zu liefern, dieser insgesamt doch eher unaufgeregten Herangehensweise verdanke ich beispielsweise auch meine entspannte Abneigung gegenüber dem Verein, welcher seine Heimspiele in unmittelbarer Nähe zur Hamburger Müllverbrennungsanlage austrägt, dem HSV. Dieser wiederum steht der derzeit im Viertelfinale der Europa League und trifft dort heute um 21:05 Uhr (mal ganz ehrlich: wassendas für eine bescheuerte Anstoßzeit?) auf den amtierenden belgischen Meister Royal Standard Club de Liège, germanisiert als Standard Lüttich bekannt. Besonders interessant finde ich diesen Club nun auch wieder nicht, auch wenn einst dort sich Erwin Kostedde („Ich möchte nie mehr arbeiten, sondern nur noch am Tresen stehen und saufen.“) als bester Torschütze der ersten belgischen Liga verewigte.

Liège hat neben dem Club noch einiges mehr zu bieten. Nicht nur ist es das politische und kulturelle Zentrum Walloniens, die ehemalige Wirkungsstätte Hubertus von Lüttich (dem Schutzpatron der Jagd, Beschützer der Hunde und als Helfer gegen Tollwut) und Sitz der Brauerei Piedboeuf („Jupiler Pils“), sondern auch die Homezone der Hip Hop-Posse Microglycerime. Und um jetzt mal langsam auf den Punkt zu kommen: Member der Microglycerime-Posse ist unter anderem Sanboy, der vor kurzem folgenden Track veröffentlichte:

Fragt micht nicht warum, meine diesbezüglichen Sprachkenntnisse sind mehr als bescheiden, aber aus unerfindlichen Gründen habe ich ein Faible für französischsprachigen Rap entwickelt. Eventuell ist dies mit der Macht der Bilder und den dazugehörigen Inhalten verbunden, nachdem ich 1995 erstmals Hass im Kino gesehen habe – ein Modefan also, wenn ich Wikipedia richtig zu deuten weiß: „Ein Nebeneffekt der Veröffentlichung war, dass durch den internationalen Erfolg des Filmes die französischen Hip-Hop-Szenen auch über die Landesgrenzen hinaus einen höheren Bekanntheitsgrad erlangten.“ Mir doch egal.