Archiv für Juli 2010

Techno vs. Faschismus Pt. 5: Ein Volk.Ein Reich.1Live?

Vor sechzehn Jahren bin ich mal auf der Loveparade in Berlin gelandet. Mal davon abgesehen, dass sich dort sämtliche meiner zuvor angesammelten Vorurteile über das Publikum innerhalb weniger Minuten voll und ganz erfüllt haben, ist mir bis heute besonders eine Gruppe spärlich bekleideter, mitzwanzigjähriger Männer und Frauen in Erinnerung geblieben, die mich an eine Reisegruppe aus der Sächsischen Schweiz auf schlechtem Ecstacy erinnerte. Die kurz darauf aus dieser Gruppe gezeigte Reichskriegsflagge ließ mich dann wissen, dass ich mit meiner Vermutung gar nicht mal sooo weit daneben lag. Andererseits war es damals die Zeit, in der manch‘ bekannter Nazi seine Bomberjacke gegen weiße Handschuhe, Signalweste und Vogelnestfrisur eintauschte und statt mit gepanschtem Dosenbier sich mit gepanschten Amphetaminen ernährte. Marco Kallies zum Beispiel. Zweites Video abspielen, bitte, gekleidet in formschöner Schneetarn-Bomberjacke:

Kallies tauschte sogar seine anstehende Karriere als aufstrebender FAP-Funktionär (bzw. innerhalb einer der Nachfolgegruppierungen) und Manager der Nazi-Band „Kraftschlag“ (okay, zumindest hat er ihnen ein Übungsraum im elterlichen Garten in Kiel zur Verfügung gestellt) ein, um sich stattdessen mit einer maßgeblich von ihm organisierten und komplett gefloppten Techno-Mega-Veranstaltung finanziell zu ruinieren und sich dann erstmal abzusetzen. Aber lassen wir das, Thema ist ja schließlich die Loveparade.

Nichtsahnend wird heute vor dem Fernseher sitzend ein bißchen herumgezappt. Und dann – großes Hallo: In Duisburg! Live auf WDR!! Die Loveparade!!! Großartig. So weiß ich, dass hundertausende von absoluten Volltrotteln sich zumindest an diesem Tag ziemlich weit weg versammelt haben, wo sie mir nicht auf die Nerven gehen können und mir stattdessen die Möglichkeit bieten, sie mit nur einem Knopfdruck auf der Fernbedienung aus meiner Wahrnehmung auszulöschen. Aber einen kurzen Moment halte ich inne, betrachte mit einer Mischung aus Neugier, Belustigung und Abscheu die bewegten Bilder, überlege ob ich den einen oder anderen im Hintergrund zu vernehmenden Track erkenne (lief da nicht gerade Oxia – Domino?) und höre mir die sinnentleerten Wortbeiträge der ModeratorInnen an. Natürlich hat auch der übertragende WDR bzw. der ihm angeschlossene Sender 1Live einen eigenen Truck (‚Floats‘ genannt) auf der Parade:

Nachdem dieser Truck mitsamt seiner Ausstaffierung ausführlich in den Himmel gelobt wurde, fragte ich mich allerdings schon, ob die PR-Abteilung von 1Live einfach nur unendlich dumm ist – oder wie sonst der gewählte Slogan „Ein Volk. Ein Reich. Ein Führer.“ „Ein Beat.Ein Ruhrgebiet.1Live“ zustande gekommen ist.

Der neu aufziehende Faschismus im öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Vorbote der sich androhenden Machtübernahme? Ganz egal was genau, wir müssen etwas dagegen tun. Zu den Waffen, Genossinnen und Genossen! Here we go:

Arbeit – Der heimliche Aufmarsch, 2007 erschienen auf dem Album MARX

Techno vs. Faschismus Pt. 4

Was ist eigentlich ‚dieses Techno‘ überhaupt? Wikipedia erklärt dies erstmal als eine Stilrichtung elektronischer Musik, und erläutert dann noch irgendwelche stilistischen Merkmale: „Charakteristisch ist der 4/4-Takt, mit einer Betonung jedes Viertels durch eine elektronische „Große Trommel“ und (meist offene) Becken auf den geraden Achteln“. Irgendwie passt diese starre Eingrenzung aber nicht wirklich unbedingt immer zu dem, was bei so mancher Feierei zu vorgerückter Stunde aus den Boxen herauskommt. Und genau das sind übrigens dann manchmal auch genau die Momente, die eine Feier so besonders machen. LSD-Bowle anrühren kann schließlich jeder…

Aber ich schweife ab. Mein Thema heute: Sickboy! Ein belgischer „producer of cut up breakcore“, wie Discogs zu berichten weiß. Beziehungsweise sein „Remix of the Antifascist Militant Brassband“ namens „March Of The Antifa“ – allerdings ist mir trotz intensivster google-Recherche noch immer nichts zu dieser ominösen Brassband bekannt. Aber egal, diese würden letztendlich vermutlich dann doch durch mein prinzipiell eher weit gefasstes Raster namens „Techno“ durchrauschen.


Watch Sickboy – March Of The Antifa in Musik  |  View More Free Videos Online at Veoh.com

Witzig bei der ganzen Sache ist: ich wollte schon vor Ewigkeiten Sickboy hier erwähnt haben. Allerdings hat dies aus nicht näher zu erläuternden Gründen nicht sein sollen, weshalb ich mich heute der Sache nochmal neu angenommen habe. Dazu zählt dann natürlich auch mal nachzusehen, ob sich beispielsweise auf seiner MySpace-Seite in der letzten Zeit irgendetwas getan hat, und siehe da: ja – zum Beispiel der Hinweis, dass er am 17.07. im Hamburger Hafenklang gastiert!

Shalom, Motherfuckers!

Okay, die britische Armee war Trendsetterin, aber die IDF toppt dies natürlich: