S. hat ein Buch geschrieben…

…und ich hab es gelesen, vom Anfang bis zum Ende. Ich lese Bücher eigentlich immer vom Anfang bis zum Ende, und wenn ich mich nicht irre, ist es bisher allerhöchstens dreimal vorgekommen, dass ich ein Buch mit der Gewissheit, ihm niemals wieder Beachtung zu schenken, vorzeitig zugeschlagen habe. S. hat nun ein Buch geschrieben, welches hart an der Grenze zum vorzeitigen Zuschlagen gekratzt hat, aber ich war stark und habe es gelesen.

Ich weiß nicht, ob S. einen Ghostwriter für sein Buch beschäftigt hat. Wenn ja, dann hat dieser gute Arbeit geleistet, denn Zeile für Zeile offenbart dieses Buch die typische Gedankenwelt eines durch und durch überzeugten Beamten, wie S. nun einer war, und verpasst seinem Buch nun seine ganz persönliche und unverwechselbare Handschrift. Ich persönlich empfinde diese Gedankenwelt übrigens als stumpf, primitiv, fernab jeglichen Intellekts und frei von jeglichem kreativen Vermögen, was über das Erfinden und Zurechtbiegen von tatsächlichen Begebenheiten hinausgeht. Und damit natürlich auch für erlogen, was dem Autor bewusst ist, er diese Lügen aber seinem apparathaften Denken geflissentlich unterordnet. Sei’s drum.

Es war letztendlich die Faszination für das Ekeln vor den Gedanken dieses Mannes, die mich sein Buch vor wenigen Tagen in einem Stück hat durchlesen lassen. Es ist die gleiche Faszination, warum ich zum Beispiel meine Augen nicht abwenden kann, wenn mal wieder der Schlagermove, ein WM-Public Viewing oder ein anderes Menschenmüll-Event zelebriert wird, statt das die Beteiligten einer sinnvollen Beschäftigung auf einem ausgetrockneten Reisfeld nachgehen. Okay, und ausserdem zielt es sich durch das Augenabwende dann irgendwie auch schlechter… Nun, ich verbrachte ein paar Stunden mit dem Buch, und als ich es beiseite legte, dachte ich darüber nach, was ich nun davon überhaupt halte.

Am bemerkenswertesten war tatsächlich die stilistische Ausgestaltung: irgendwo zwischen 8. Jahrgang Aufsatz-Niveau und dem Einfluss der Erzähltechnik von Pro 7-Wissenschaftssendungen angesiedelt, sollte es einen leichten Zugang zu den kognitiven Verständnisauffassungen des Autors ermöglichen. Das hat hervorragend funktioniert, denn der Autor ist vermutlich vor allem eins: strunzdumm, und mit ihm der Teil der BuchkäuferInnen, die sein Buch aus einem empathischen Impuls heraus gekauft und gelesen haben. Insofern ein hoffnungslos überbewertetes Machwerk, dass dennoch für zwei oder drei Gelegenheiten zu empfehlen ist: zum Mückentotschlagen, zum Pressen von Blättern für ein Herbarium zuhause, und auch irgendwie zum endlosen Belustigen über den Autoren.

buchtips.net schreibt dazu: „Durch die völlig authentisch wirkende, mitreißende und dennoch sachlich-nüchterne Beschreibung zwingt das Buch einen dazu, immer weiterzulesen. Es mag eigentlich vielleicht ein Sachbuch sein, aber es liest sich wie ein Roman.“ Ein Schundroman passt irgendwie besser.
Stefan Schubert – Gewalt ist eine Lösung. Oder was habt ihr gedacht, um welches Buch es hier geht?