Also, irgendwie… (Tvs.F 7)

Irgendwie ist das Phänomen ‚Bloggen‘ eine ganz schön langweilige Sache, jedenfalls für Menschen wie mich. Tagebuch habe ich nie geschrieben, und echte Logbücher mögen zwar ihre Berechtigung auf Seeschiffen oder Sternzerstören haben, aber nicht unbedingt beim Surfen (egal ob nun vor St. Peter-Ording oder durch das www).

Eben gerade stellte sich mir die Frage, ob ich nicht diesen Blog einfach löschen sollte. Wirklich spannende Beiträge wurden hier eh nicht veröffentlicht, und vermutlich wird sich dieser Umstand auch nicht ändern. „Techno vs. Faschismus“ war beispielsweise eine aus purer Langeweile entstandene Rubrik-Idee: in den frühen Neunzehnhundertneunzigern schien Techno eine merkwürdige Anziehungskraft gehabt zu haben. Neben der verstrahlten „Friede – Freude – Eierkuchen“-Fraktion, die im nachhinein ihre Verstrahltheit als irgendwie progressive politische Aussage verstanden sehen möchten, begeisterten sich bereits kurz darauf auch diverse Halb- und Vollnazis für diese neuartige Musik. Zumindest dort, wo ich es mitverfolgen konnte:

Anfang jener 90er traf ich zufällig während einer Bahnfahrt nach Hamburg auf eine Reisegruppe, die sich augenscheinlich auf dem Weg zu einem Techno-Event befand. Damals auch für mich erstmal eher unspannend, doch dämmerte mir kurz darauf, dass mir einige Personen durchaus bekannt vorkämen. Und tatsächlich: im Pulk der ‚Raver‘ erkannte ich vier oder fünf Gesichter, die noch kurze Zeit zuvor der regionalen top-level Nazi-Skinheadszene zuzuordnen waren, und nun offensichtlich ‚unterwegs‘ waren. Aufgrund der damals via Presse verbreiteten Warnungen vor Ecstacykonsum-bedingten Todesfällen in der Technoszene konnte ich mir einen hoffnungsvollen „Schnellen Tod euch allen!“-Gedanken nicht verkneifen und ging entspannt in den nächsten Waggon.
1994 führte mich der Zufall zur Loveparade nach Berlin. Nachdem mir bereits innerhalb der ersten zehn Minuten zehn bis fünfzehn, teilweise mit ‚Reichskriegsflagge‘ dekorierte Klischee-Nazis als Teil der feierwütigen Massen über den Weg liefen, an denen sich niemand zu stören schien, hielt sich mein Mitleid in engen Grenzen, nachdem ich erfuhr, dass kurz darauf ein paar Dutzend schwer betrunkene und nicht- bzw. explizit antirassistische Skinheads einen Ausflug vom zeitgleich stattfindenden Potsdamer Skafestival zur Loveparade unternommen haben. Nach einer nonverbalen, energisch überreichten Protestnote an die Loveparade wurden jene Skinheads, unter Absingen der Internationalen und ähnlich revolutionären Liedern, kurzerhand von der Polizei in eine S-Bahn zurück nach Potsdam gesetzt.

Techno hatte dementsprechend durch Erlebnisse wie diese einen etwas befremdlichen Beigeschmack für mich. Ändern sollte sich dies erst durch einen späteren und zufälligen Besuch der Roten Flora, in der an jenem Abend eine schwul/lesbische(/all gender – wobei letzterer Begriff damals noch nicht wirklich gebräuchlich war) House-Party stattfand. Irgendwie befremdlich dabei waren im Grunde nur die äusserst spärlich bekleideten Tänzer_innen auf den Baugerüsten, das wiederum ist allerdings eine ganz andere Geschichte…

Aber zurück zum Thema – Langeweile, Rubrik „Techno vs. Faschismus“, Blog löschen: nö, jetzt doch noch nicht. Vielleicht demnächst irgendwann. Stattdessen der Hard Trance-lastige Remix eines älteren russischen Liebesliedes:


Along with greetings from Katyusha“ ist übrigens jene Zeile, welcher der hierzulande als ‚Stalinorgel‘ bekannte sowjetische Raketenwerfer seinen umgangssprachlichen Namen verdankt – Katyusha bzw. Katjusha. In diesem Sinne: „Schwarz war die Nacht, weiß war der Schnee – von allen Seiten die Rote Armee!“