Kunst im öffentlichen Raum

Die Kunst und ich sind normalerweise nicht so richtig down miteinander. Zwar hat es mich auch schon mal in die Hamburger Kunsthalle verschlagen, und den einst dort zu bestaunenden, voll künstlerisch unkommentierten Kurzfilm über die Sprengung einer verlassenen Holzhütte musste ich mir auch mehrfach hintereinander ansehen, aber so richtig sind die Kunst und ich uns noch nicht nähergekommen – vielleicht ist es der für mich nur in den seltensten Fällen erkennbare praktische Nutzen von Kunst, der unserer möglichen Liason im Wege steht, wer weiß.

Ganz schlimm finde ich meistens allerdings das, was als ‚Kunst im öffentlichen Raum‘ bezeichnet wird (Streetart, sofern diese ebenfalls dazugezählt wird, mal aussen vor gelassen). Ganz begeistert bin ich allerdings vom 1. Platz der diesjährigen „Deutsche Meisterschaft Kunst im öffentlichen Raum“:

Punkerfalle

Punkerfalle (via)

Allerdings beschäftigt mich nun die Frage, wie ich bloß an diese Flasche kommen könnte, ohne selbst in die Falle zu gehen…

Früher war alles besser, früher war alles gut…

Ich finde soziale Netzwerke großartig. Facebook, StudiVZ oder StayFriends sind eine wunderbare Möglichkeit sich auf Reisen in die eigene Vergangenheit zu begeben, ohne mit den damals im eigenen Leben häufig zwangsweise präsenten Personen wieder in Kontakt kommen zu müssen – die Rede ist hier natürlich von einstigen Mitschülerinnen und Mitschülern.

Mit einer gesunden Mischung aus boshafter Neugier, einem maßlosen Überlegenheitsgefühl sowie nicht wenig Fremdscham bereitet es mir einfach eine unglaubliche Freude zu sehen, was aus vielen jener Cretins geworden ist, denen ich schon während unserer gemeinsamen Schulzeit vor allem eine mehr oder weniger offene Abneigung entgegengebracht habe. Was mich bei manchen anderen, insbesondere bei politisch auf der richtigen Seite der Barrikaden stehenden Menschen doch stark entsetzt, dient in diesem Fall meinem billigen Vergnügen, meiner persönlichen Belustigung: die freiwillige Veröffentlichung von echten Namen, zugehörigen Fotos und oftmals noch zahlreiche weitere personenbezogene Daten und Details in eben diesen sozialen Netzwerken – das blöde Hineingrinsen in die Ewigkeit des www.ichbindummundvernetzt.de.

Bisweilen schafften es manche dort zu entdeckende Biographien fast sogar, Mitleid in mir zu wecken. Dann hat aber doch noch immer die Schadenfreude die Oberhand behalten… Zu erfahren und zu sehen, dass die einstigen everybody’s darlings fast zwanzig Jahre später noch immer im gleichen erbärmlichen Vorort der gleichen, sowieso schon mehr als provinziellen Stadt ihr Leben auf dem gleichen Niveau weiterführen, wofür ich sie bereits damals verachtet habe, war mir schon mal das eine oder andere Glas Prosecco wert. Auch wenn mir bewusst ist, dass meine Verachtung auf einer nicht unbedingt emanzipatorischen Kapitalismuskritik beruht, war es nunmal vor allem deren aufgesetzte, grundlegend widerliche rich kid-Attitüde, welche später auch mal zum abendlichen Klassenfaustkampf an der örtlichen, gemeinsam benutzten Bushaltestelle führen sollte.

Aber zurück zum Thema: Früher war alles besser… Bullshit! Auch ich will es nicht mehr hören, genausowenig wie die Toten Hosen es nicht hören wollen. Einerseits: doch. Früher waren die Toten Hosen schon besser als heute. Andererseits: nein. Ein Blick auf das folgende Bild sollte erklären, warum früher eben mit Sicherheit nicht alles besser war:


Damals war vieles vielleicht einfacher: der zweiten Person von links in der hinteren Reihe konnte man noch ohne zu fragen in die Schnauze hauen – ein Popper mit Harrington-Jacke konnte damals nur ein Nazi sein. Ebenso zweite Person von links in der vorderen Reihe – ein Popper mit billiger Bomber-Jacke konnte damals natürlich auch nur ein Nazi sein.

Aber davon mal abgesehen, sollte man, nein, muss man das Bild in Ruhe auf sich wirken lassen. Den geföhnten, ausgedehnten Schwüngen der Frisuren folgen. Die Jeans- und Pastelltöne der Jacken, Hosen, Hemden und Pullover, die auch in Form und Schnitt an DDR-Mode kurz nach dem Mauerfall erinnern (im Hintergrund würde sich übrigens ein Trabant verdammt gut machen, fällt mir gerade auf), sich gedanklich in bewegten Bildern vorstellen. Natürlich auch noch die Schuhe, für die der/die gemeine VollidiotIn (beziehungsweise seine/ihre Eltern) im gleichen Umfang Kohle abgedrückt hat, wie diese albern sind. Womit dann auch wieder der Beweis erbracht worden sein dürfte, dass es Stil nicht zu kaufen gibt. Und dazu noch die Vorstellung der Gespräche dieser Menschen und ihre Stimmen, die eine vollkommen Bedeutungslosigkeit mit dem Klang der Überheblichkeit einfärben können.
Als ich die erste LP von Slime erstmalig auf meinem Plattenspieler laufen liess, wusste ich sofort, auf wen sich ein ganz bestimmtes Lied bezog…

Und nein, ich bin natürlich nicht auf diesem Foto zu sehen. Zum einen habe ich schon damals Gruppenfotos mit Volltrotteln gehasst – zum anderen muss ich kurz mal nachdenken, ob ich die Gestalten auf dem Foto überhaupt kenne. Vielleicht, vielleicht auch nicht, vielleicht hab ich sie auch nur erfolgreich verdrängt. Okay, ich kenne sie doch, sie mich aber nicht (mehr). Und darüber bin ich sehr glücklich.

Techno vs. Rotfaschismus…

Im Zuge des allseits beliebten Extremismus-Diskurses möchte auch ich mich zur Mitte der Gesellschaft bekennen und mich von den hufeisenförmigen Islamkommunistennazis distanzieren. Unterstützung für mein ehrbares Ansinnen erfahre ich dabei von überaus prominenter Seite aus dem architektonischen Schandfleck Hannover: die Scorpions!

Auch wenn sie nun letztmalig die Bretter, die die Welt bedeuten, während ihrer Abschiedstournee betreten, haben sie doch für alle Zeiten kulturelle wie politische Meilensteine gesetzt, die es zu würdigen gilt: ein Bühnenoutfit, welches an eine mißglückte ostdeutsche Version von KISS erinnert, das dümmste LP-Cover aller Zeiten, sowie natürlich ihren Beitrag zur Überwindung des schlimmer-als-die-Nazis-Ostblocks: Wind Of Change!

Rudolf Schenker erinnert sich gerne zurück:

„Wind Of Change“ ist der Soundtrack für eine friedliche Revolution. Man muss sich einfach vor Augen halten, welch epochale Veränderungen Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre stattgefunden haben. Und die Scorpions waren mittendrin, wir haben den Wandel hautnah miterlebt. 1988 spielten wir zehn Konzerte im damaligen Leningrad und heutigen St. Petersburg, unter noch ziemlich strengen, „offiziellen“ Bedingungen. Ein Jahr später spielten wir in Moskau und konnten kaum glauben, wie sehr sich die Stimmung innerhalb dieses einen Jahres in der damaligen Sowjetunion verändert hatte. Es war eine Mischung aus Euphorie und Aufbruch, mit Worten kaum zu beschreiben. Kurze Zeit später erklärten sich die baltischen Republiken Litauen, Lettland und Estland als erste der Sowjetrepubliken für unabhängig, die alte UdSSR begann sich auflösen. All dieses Erleben, diese ganz besondere Stimmung floss in den Song „Wind of Change“ ein. Ich denke, dass dieser Song eben bei viele Menschen die Erinnerungen an diese einmalige Zeit weckt. (via)

So schön war das alles Ende der 80er, Anfang der 90er. Und nicht zuletzt natürlich auch die deutsche Wiedervereinigung (die allerdings bewiesenermaßen direkt auf ‚The Hoff‘ zurückzuführen ist), auch wenn ein paar verwirrte Linksextremisten natürlich dagegen schimpfen mussten.

What soll’s, und deshalb an dieser Stelle eine Würdigung der Scorpions, künstlerisch umgesetzt von DJ Amanda Adams (oder war es vielleicht doch MC Techno?). Egal, und again: what soll’s!
Tear down the wall, Rudolf Schenker, and let your Balalaika sing:

Worauf ich schon seit Ewigkeiten warte…

auf nervige Trottel mit versteckten Kameras:

Und Schadenfreude bleibt einfach die schönste…